Von den vielen Ängsten meiner Kindheit war eine der größten, von meinen Eltern getrennt zu sein. Es war ein Drama, wenn ich wo anders übernachten sollte. Interessanterweise ging diese Angst in der Pubertät nicht weg. Ich wußte allerdings, daß ich es irgendwie lernen mußte, mit mir allein zu sein, ohne ständige Panikattacken. Meine ersten Versuche liefen über Ablenkung – einen Film sehen, Musik hören, malen, um es nicht zu merken, daß ich allein war. Und natürlich waren meine ersten Beziehungsversuche zu Männern Anfang 20 alle darauf ausgelegt, jemanden zu finden, damit ich nicht mehr allein bin und mich nicht mehr ständig ablenken muß, um nicht in Panik zu geraten.

In meiner Familie war es “normal”, so zu sein.

 

Eines der größten Tabus war es, ein Familienmitglied allein zu Hause zu lassen. Es gab auch keinerlei gesunde Grenzen. Gespräche waren immer so, daß alle Familienmitglieder zuhören konnten. Privatsphäre oder Vertraulichkeit gab es nicht. So war ich sehr gefordert mit meiner Partnersuche, da ich nie wußte, wie ich mich verhalten sollte. Die Regeln außerhalb meiner Familie waren mir völlig fremd. Eigenständigkeit – was ist das? Und wie halte ich es aus, wenn mein Freund sich mit seinem Kumpel unterhalten will, ohne daß ich zuhöre? Was tue ich, wenn ein Mann mit mir tanzen will, und ich will nicht? Nein sagen war in meiner Familie auch tabu. Denn das könnte den anderen kränken, und das mußte unter allen Umständen verhindert werden.

 

“Beim nächsten Mann wird alles anders” war in den späten 80er-Jahren ein beliebtes Buch, das mir gnadenlos meine eigene innere Haltung spiegelte. Viele glauben bei gescheiterten Parterschaften erstmal, es läge am Partner. Ende 20 erkannte ich, es lag an mir. Und da ich in dieser Zeit keine Ahnung hatte, wie ich mich ändern und wachsen konnte, beschloß ich, mich lieber abzulenken um keine Panik zu bekommen, als diese Beziehungsdramen weiterhin in meinem Leben zu haben. Und ich fing an, Therapien zu machen und mich um mein Innenleben zu kümmern.

 

Etwa 20 Jahre lang habe ich allein gelebt.

 

Meine Therapien und Versuche, Beziehungen zu heilen, haben mich auf die spirituelle Reise geführt. Ende 2009 kam dann plötzlich Reinhard in mein Leben. Ich habe keinen Partner gesucht, er hat keine Partnerin gesucht. Wir wußten beide, daß unser Zusammentreffen von einer höheren Kraft arrangiert war. Von Anfang an. Es war völlig klar für uns beide, daß wir zusammen sein würden, und daß wir das irgendwie hinkriegen würden.

 

Seit 2013 sind wir gemeinsam auf der spirituellen Reise. Es ist gut, wenn Paare etwas Gemeinsames haben – ein Kind, ein Haustier, ein Projekt, eine Firma, ein Hobby. Unsere gemeinsame Reise mit unserem spirituellen Lehrer, unser Weg des inneren Wachstums, um der Quelle, die alles Leben erschaffen hat, immer näher zu kommen, verbindet uns und hilft uns über viele Hürden hinweg. Gepaart mit Aufrichtigkeit, Respekt und dem Verzicht auf Beschuldigungen. Wenn Reinhard unterwegs war und wieder nach Hause kam, sagte ich manchmal zu ihm: “Ohne Dich war’s eine Weile auch schön, aber mit Dir ist es schöner.”

 

Ich war seit 1999 in sehr vielen spirituellen Gruppen und bei großen Treffen. Immer und immer wieder erzählten mir andere Teilnehmer und Teilnehmerinnen, wie schwer es für sie war, zu diesem Treffen zu kommen. Weil der Partner/die Partnerin nicht allein sein will. Oder das Interesse dieser Person an Reiki, Kreistänzen, Meditation, was auch immer, nicht versteht und mißbilligt. Oder sich ausgeschlossen fühlt. Ich hatte oft das Gefühl, daß diese Menschen gar nicht vollständig bei der Veranstaltung präsent sein konnten. Verstehen kann ich das gut, aus meiner eigenen Geschichte heraus. Wäre ich in meiner Herkunftsfamilie geblieben, hätte ich keinen Schritt in diese Richtung gehen können, ohne daß ich permanent bedrängt worden wäre, dies nicht zu tun.

 

Erst in den letzten Jahren habe ich Mittel und Wege gefunden,

 

durch Seelenkommunikation und in Zusammenarbeit mit dem Himmel, hier Schritt für Schritt Vergebung und Frieden hereinzubringen. Innerer und äußerer Frieden sind nicht wirklich voneinander getrennt. Wir nehmen die innere Atmosphäre unserer Familie aus unserer Kindheit so lange mit, bis wir sie auflösen können. Und diese Auflösung wirkt sich dann auf alle Beteiligten unserer Ursprungsfamilie aus – die nichts von unserem Wirken wissen. Auf diese Weise kann ich viel mehr präsent sein im Hier und Jetzt. Ich kann mehr Nähe und echte Beziehung mit meinem Partner leben. Ich kann öfter in Liebe sein, einfach so. Und vor allem, ich kann mein Gegenüber als den Menschen sehen, der er ist im Hier und Jetzt, und muß ihm nicht die Rolle eines früheren Familienmitglieds überstülpen.

 

Jeder möchte wirklich gesehen werden. Jeder möchte bedingungslos geliebt werden. Ich kenne niemanden, der gerne auf eine Rolle im Drama von jemand anderem reduziert werden möchte. Es gibt Wege in die Freiheit, ganz wir selbst zu sein und erfüllte Partnerschaften zu leben. Wir möchten diese Wege mit euch teilen, sie zusammen erleben und erforschen, und offen sein für das Wunder der Transformation alter Muster und Verstrickungen in Liebe und Vergebung.

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